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Aktion Digitaltag am 19. Juni 2020

Online-Plattform

Digitale Sammlung mittelalterlicher Handschriften-Fragmente zur Gregorianik

Wissenschaftliche Bibliothek der Stadt Trier

Bildung und Wissenschaft
Kultur und Medien
Beginn: 18. 06. 2020 00:00
Ende: 22. 06. 2020 23:30
Aktionsort:
bundesweit / online

Peter Bohn (1833-1925), Musiklehrer und Musikforscher aus Trier, hinterließ neben einer wertvollen Choralhandschrift aus dem 13. Jahrhundert seinen Nachlass der Wissenschaftlichen Bibliothek der Stadt Trier. Ein Teil dieses Nachlasses, der bisher kaum erforscht wurde, wird nun digital der Forschung zur Verfügung gestellt: mittelalterliche Handschriften-Fragmente zur Gregorianik.
Bei Fragmenten handelt es sich um Bruchstücke aus Handschriften auf Pergament. Vor der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern um 1450 wurden Texte mühsam und zeitaufwändig per Hand auf Pergamentblätter kopiert – also Wort für Wort abgeschrieben. Der Buchdruck sorgte dafür, dass plötzlich zahlreiche Kopien in kürzester Zeit hergestellt werden konnten, so dass die handschriftlichen Kopien in ihrem bis dato unschätzbar hohen Wert sanken. Dies führte dazu, dass massenhaft alte Pergament-Kodizes als überflüssig erachtet wurden. Da der Beschreibstoff „Pergament“ – also die Haut eines Tieres – jedoch immer noch einen gewissen monetären Wert darstellte und zudem robuster als das mit dem Buchdruck auf den Markt drängende Papier war, begann man, die Kodizes zu recyceln. Mittelalterliche Handschriften wurden an Buchbindereien als Makulatur verkauft, dort auseinandergeschnitten und als Einbandmaterial für gedruckte Bücher verwendet.
Auch wenn aus heutiger Sicht durch dieses Verfahren unendliche Werte und Textzeugnisse vernichtet wurden (denn nicht jeder auf einer Handschrift überlieferte Text wurde später als Buch gedruckt), so ist es doch ein Glück, dass uralte Texte zumindest in Teilen durch dieses Recycling-Verfahren überlebt haben.
Die Herausforderung für den Forscher besteht darin, ein vorliegendes Fragment zunächst zu identifizieren (Sprache, Schrift, Inhalt, möglicher Verfasser) und anschließend zu verorten. Im Idealfall gleicht die Fragmente-Forschung einem Puzzlespiel: die Einzelteile einer mittelalterlichen Handschrift, die sich als Fragmente in den verschiedensten Bucheinbänden verstreut über die ganze Welt verstecken, finden wieder zueinander und ermöglichen es so, den ursprünglichen Kodex zu rekonstruieren.
Die Digitalisierung bietet der internationalen Forschung einen deutlich einfacheren Zugang zu den Fragmenten.

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